"Recht ströme wie Wasser"
... ist der Titel der diesjährigen 25. Ökumenischen Friedensdekade vom 7. - 17. November.
In unseren Breiten ist das Strömen von Wasser noch kein Problem und vielleicht das Bild auf dem Trockenen zu sitzen weit weg, aber jeder weiß, wie schön es ist, wenn Wasser fließt und strömt. Beim Recht komme ich schon sehr ins Nachdenken: Menschenrechte, Grundgesetz, Charta der Vereinten Nationen, diese, so denke ich, scheinen uns zur Zeit zu zerfließen, wenn ich an die Kriegsschauplätze dieser Welt denke oder wie schwierig es scheint, einen internationalen Gerichtshof einzurichten und anzuerkennen.
Auch nicht einfacher wird es, wenn ich mitbekomme, wie schwer es bei uns ist oder wie treuer es werden kann, sein Recht in unserer Gesellschaft durchzusetzen. Ein Anwalt will bezahlt werden. In Zivilprozessen muss ich in Vorleistung gehen, damit eine Klage überhaupt zugelassen wird. Wo viel Geld ist, scheint auch zunehmend viel Recht zu sein.
In unserem Grundgesetz gibt es die gute Formulierung "Eigentum verpflichtet" zum Wohl der Gesellschaft.
Wie schön wäre es, wenn das Recht ein Grundelement wie Wasser wäre. Dazu müssten sich noch mehr Menschen aufmachen und den Weg des Ausgleiches anzutreten. Ausgleich von Arbeit, Ausgleich von Reichtum, Ausgleich von Macht, Ausgleich, damit wir als Gesellschaft nicht aus dem Gleichgewicht geraten.
Ein fernes Beispiel: Auf Haiti sind die Wälder verkauft und abgeholzt worden, Hunderte von Menschen sind durch die Wassermassen in diesem Sommer um ihr Leben gebracht worden. Wer hat die Wälder, mit welchem Recht, an wen, für welchen Preis verkauft? Wir leben zunehmend in Zusammenhängen, wo wir nicht bei unserem Gartenzaun mit dem Denken und Handeln aufhören dürfen.
Ein nahes Beispiel: Seit jahrzehnten Produzieren wir immer mehr Waren mit immer weniger Menschen. Wachstum hilft nicht mehr, haben Experten schon vor 20 Jahren gesagt. Wer hat den finanziellen Vorteil bei über 4 Millionen Arbeitslosen?
Zum Schluss Martin Luther King und die Bibel: "Die Feigheit stellt die Frage: Ist es sicher? Die Berechnung stellt die Frage: Ist es populär? Aber das Gewissen stellt die Frage: Ist es richtig? Und es kommt die Zeit, in der man eine Position einnehmen muss, die weder sicher, noch politisch noch populär ist - aber man muss sie einnehmen, weil sie richtig ist."
Amos 5, 24: "Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach."
Karsten Böhm